Aktuelles

Wimmelbild mit verschiedenen Stichworten zu Digitalisierung
Initiative D21 (CC BY 2.0)

Nachricht vom 3. März 2021

Digital-Index erschienen: Corona-Auswirkungen auf Digitalisierung Älterer

Diese Woche erschien der D21 Digital-Index 2020/2021, welcher schon seit 2001 ein jährliches Lagebild zur Digitalisierung in Deutschland vermittelt. Dieses Jahr haben wir die Zahlen besonders gespannt erwartet, um zu sehen, ob durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie mehr ältere Menschen die Chancen der Digitalisierung nutzen (können oder wollen).

Nach der ersten Durchsicht finden wir drei Ergebnisse besonders spannend:

  1. Der Digital-Index verzeichnet für seinen Erhebungszeitraum bis Juli 2020 keine überdurchschnittlichen Zuwachsraten älterer Onliner. Erhebungszeitraum der Studie war bis Juli 2020. Sie deckt also gerade mal der Beginn von Corona ab, den ersten Lockdown und erste Wieder-Öffnungen. Bis dahin hat Corona laut der Daten nicht zu höheren Internetnutzungsraten bei den Personen 70+ geführt. 52% Internetnutzer 70+ zu 52% im Vorjahr. Bei der Gruppe 60-69 Jahre waren es 81% Internetnutzende in der Vorjahresstudie und 85% in 2020. Ein Zuwachs von 4%, der auch ohne Corona mindestens in dieser Höhe stattgefunden hätte, wenn man die Zuwachsraten in den Vorjahren betrachtet (von 2018 auf 2019 +9% in der Altersgruppe). Nun könnte die weiter anhaltende Pandemie zu höheren Nutzungszahlen nach Juli 2020 geführt haben, das erfahren wir nächstes Jahr. Es kann aber auch möglich sein, dass ältere Menschen trotz der Einschränkungen im Alltag die Lösung weniger im digitalen Raum sehen (dafür spricht Ergebnis 2). Eine dritte These stützt sich auf die Ergebnisse unserer eigenen Studie, über die wir im November 2020 berichteten, wonach selbst bei Interesse jetzt den Umgang mit digitalen Medien zu lernen, die Lerngelegenheiten größtenteils nicht verfügbar waren und ein begleiteter Kompetenzerwerb damit schwer möglich. 
  2. 93% der Offliner fühlten sich in Zeiten der Corona-Krise nicht abgeschnitten von Möglichkeiten der Kommunikation mit Familie, Ärzt*innen, Behörden oder bei der Erledigung von Einkäufen.  Nur 7 Prozent fühlten sich im Nachteil. Dieses Ergebnis dürfte Nicht-Kenner des Gebiets überraschen, die wie selbstverständlich davon ausgegangen waren, dass der Digitalisierungsschub nun auch die Älteren deutlich erfassen müsste. Die Interpretation ist jedoch offensichtlich: Man vermisst nicht, was man nicht kennt. Der persönliche Nutzen ist einer Vielzahl Offlinern nicht ersichtlich. Sie haben Wege gefunden anders mit den Einschränkungen umzugehen und dennoch ihren Alltag zu meistern – wie auch zuvor. Ob das auch mit anhaltender Dauer der Beschränkungen so gültig bleibt, werden wir auch erst nächstes Jahr sehen können.
  3. Der insgesamt größte Motivationsfaktor für eine künftige Nutzung wäre eine Begleitung und Anleitung bei den ersten Schritten ins Internet.” Das würde ein knappes Viertel der Nicht-Internetnutzenden zur Nutzung motivieren. Vom ersten Platz ein Stück verdrängt wurde die Antwort „Wenn ich einen klaren Nutzen für mich erkennen würde“ – möglicherweise haben einige Offliner vor dem Hintergrund der Corona-Ereignisse erstmalig einen Nutzen für sich erkannt (die 7% von oben). Leider steht aber noch lange nicht für alle Interessierten vor Ort eine Lerninfrastruktur bereit, die ihren Bedarfen und Interessen entspricht. Hierfür setzt sich die BAGSO seit Jahren ein, unter anderem mit dem Projekt Digital-Kompass (100 Lernorte in Deutschland) und der Servicestelle Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen, die Interessierten auch über Telefon Auskunft über Angebote in Ihrer Nähe gibt (0228/249993-50).

Wer selbst im Digital-Index stöbern möchte, kommt hier zur diesjährigen Ausgabe und auch zu den vorigen Ausgaben.

Wer speziell die Nutzerzahlen der Älteren ansehen möchte, findet hier Zusatzmaterial.

Über die Studie „D21-Digital-Index“

Der D21-Digital-Index ist eine repräsentative Studie der Initiative D21, durchgeführt von Kantar. Sie erfasst die deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahren (n=2.038) und erfolgt per face-to-face-Interview (CAPI).
Die Studie ist gemeinsam finanziert durch eine Partnerschaft aus öffentlichen und privatwirtschaftlichen Orga-nisationen. Förderer: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie // Premiumpartner: Allianz Deutschland AG, atene KOM, BARMER, Bayerisches Staatsministerium für Digitales, HUAWEI Technologies Deutschland // Partner: Bertelsmann Stiftung, Capgemini Deutschland GmbH, CHG-MERIDIAN AG, KPMG AG Wirtschaftsprü-fungsgesellschaft, Microsoft Deutschland GmbH // Unterstützer: ADLON Intelligent Solutions GmbH, Bun-desministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Deutsche Telekom AG, Didacta Verband e. V., Intel Deutschland GmbH, Kompetenzzentrum Technik – Diversity – Chancengleichheit e.V.

 

Praxisbeispiele

Lernen Sie von den praktischen Erfahrungen anderer und lassen Sie sich inspirieren. Wir zeigen Ihnen verschiedene Beispiele, wie Bildung im Alter gelingt.

Übersicht der Praxisbeispiele - interner Link Öffnet den Link in einem neuem Fenster

 

 

Wussten Sie schon?

Nicht für die Schule, fürs Leben lernen wir! Dieser Satz geht auf den Philosophen Seneca zurück, der vor über zweitausend Jahren lebte. Es ist erstaunlich, dass dieses Thema in den Schulen immer noch brandaktuell ist.

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