Startseite » Praxisbeispiel » Soziale Teilhabe und finanzielle Absicherung im Alter stärken
Anträge auf Sozialleistungen, wie zum Beispiel für Wohngeld, Bürgergeld oder Grundsicherung zu stellen ist mühsam. Formulare sind häufig in schwer verständlicher Behördensprache verfasst, und bei Erstanträgen müssen oft viele Nachweise und Unterlagen beigefügt werden. Als weitere Hürde kommt hinzu, dass Anträge digital gestellt werden sollen. Viele ältere Menschen, deren Einkommen oder Rente nicht ausreicht und die daher auf ergänzende Sozialleistungen angewiesen sind, fühlen sich mit der Antragstellung oft überfordert – und verzichten auf die dringend benötigten finanziellen Mittel.
Zwei Mitarbeiterinnen des Projekts „GäSE“ kümmern sich in der Region um Menschen ab 60 Jahren, die akut Unterstützung benötigen. Sie vereinbaren Wunschtermine mit den Projektteilnehmenden und besuchen sie in ihrer Wohnung. In vertrauter Atmosphäre werden so finanzielle Probleme besprochen und notwendige Anträge mit individueller Unterstützung bearbeitet und gestellt. Arzttermine werden entsprechend der Fahrtrouten des öffentlichen Nahverkehrs abgestimmt. Projektteilnehmende, die ein Smartphone besitzen, bekommen zusätzlich Einzelschulungen für die Benutzung benötigter Apps.
Da der sichere Umgang mit dem Smartphone auch im ländlichen Raum immer wichtiger wird, bietet das Projekt „GäSE“ an verschiedenen Standorten im Landkreis entsprechende Gruppentreffen an. In sogenannten Smart-Cafés kommen Menschen ab 60 Jahren monatlich in gemütlicher Atmosphäre bei einer Tasse Kaffee zusammen. Sie lernen den Umgang mit ihren Smartphones und tauschen sich aus. Gemeinsam werden Wunschthemen benannt, die von den Projektmitarbeiter*innen vorbereitet und diskutiert werden (z.B. „Wie funktioniert das E-Rezept?“).
Um die Unterstützungsmöglichkeiten durch das Projekt „GäSE“ im Landkreis bekannt zu machen, ist die Netzwerkarbeit von zentraler Bedeutung. Entsprechend gut ist das Projekt vernetzt, z.B. mit kommunalen Seniorenbeauftragten, ehrenamtlichen Seniorenbeiräten oder auch dem Diakonischen Werk. Insbesondere vulnerablen Gruppen soll der Zugang zum Projekt ermöglicht werden, weshalb gemeinsam mit dem Gesundheitsamt ein besonderes Netzwerk aufgebaut wurde. Mit dem Einverständnis und entsprechender Schweigepflichtentbindung können so Menschen mit psychischen Erkrankungen über das Gesundheitsamt als Teilnehmende in das Projekt „GäSE“ vermittelt werden. Gleichzeitig kann Projektteilnehmenden, bei denen eine psychische Überbelastung oder Erkrankung vermutet wird, eine Brücke zur weiterführenden Unterstützung durch die Angebote des Gesundheitsamtes gebaut werden. Die Projektnetzwerkarbeit leistet somit einen Beitrag sowohl zur sozialen Inklusion als auch zur Bekämpfung von Armut in der Region.
Das ESF Plus-geförderte Projekt „Gemeinsam älter werden zwischen Schwalm und Eder“ („GäSE„) hat sich daher das Ziel gesetzt, ältere Menschen zu stärken und ihre finanzielle Absicherung zu verbessern sowie kommunale Strukturen für ihre Teilhabe zu fördern.
Es wird im Rahmen des Programms „Stärkung der Teilhabe älterer Menschen – gegen Einsamkeit und soziale Isolation (STäM)“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.
Text: https://www.esf.de/SharedDocs/Meldungen_NL/Newsletter/2025/November/Staem_Hessen.html
Hier finden Sie Lernvideos sowie Broschüren und Positionspapiere, die Sie über das Bestellformular unten kostenlos bestellen können.
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