Digital trifft Analog – Ein Dialog intergenerativer Lebenswelten

Über das Projekt:

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Das Mehrgenerationenhaus im sächsischen Bernsdorf ist eine Anlaufstelle für Menschen jeglichen Alters. Das Projekt „Digital trifft Analog“, das sich über ein Schuljahr erstreckt, rückt den Dialog zwischen den Generationen in den Mittelpunkt. In Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 8 bis 10 der freien Oberschule Bernsdorf werden diverse Workshop-, Vortrags- und Interaktionsangebote für die Generationen der Eltern und Großeltern entwickelt.

Durch die intergenerativen Vermittlungsangebote sollen für die älteren Menschen Erfahrungsräume sowie ein gesteigertes Verständnis für die Lebensgestaltung ihrer Kinder bzw. ihrer Enkelkinder geschaffen werden. Gleichzeitig sollen die älteren Generationen mit Vermittlungsangeboten zur Wertegewinnung an ihre Kinder und Enkelkinder herantreten. Dabei ist es insbesondere wichtig, dass die Zunahme von digitalen Kommunikationsmustern nicht „verteufelt“ wird, aber auch andere Optionen der verbalen Kommunikation und Interaktion eröffnet werden.

„Wir erhielten vermehrt Anfragen von Menschen ab 60, die fragten, ob wir ihnen nicht den Umgang mit Smartphone, Tablet und Apps erklären könnten“, erzählt Silvio Thieme, der Leiter des Jugendtreffs im Mehrgenerationenhaus.

Das lief im Projekt:

Im Kalenderjahr 2018 gab es zwei Koordinierungstreffen zwischen den Kooperationspartnern Mehrgenerationenhaus Bernsdorf/RAA-Sachsen e.V. und der freien Oberschule Bernsdorf sowie zwei erste Veranstaltungen, welche in Form thematischer Elternabende/Eltern-Kind-Abende stattgefunden haben. Nach Vorstellung des Projektes vor den gesamten Schülern, entschied sich die Klassenstufe 7 im JG2018 als Gesamtklasse als aktiver Partner in dem Projekt mitwirken zu wollen. Daraufhin gab es das zweite Koordinierungstreffen, in dem gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern geeignete Methoden und Formate des Wissenstransfers diskutiert, entwickelt und festgelegt wurden.

Schülerinnen und Schüler der Klasse 7 bereiten Workshops für Ältere zu verschiedenen Themen vor – vom Umgang mit Smartphones, Tablets und internetfähigen Fernsehgeräten bis hin zu sozialen Medien wie WhatsApp, Instagram, tiktok und Snapchat. Sie werden dabei von der Schule und vom Mehrgenerationenhaus begleitet, die Gestaltung der Workshops liegt jedoch in ihren Händen. Außerdem dokumentiert eine Gruppe den gesamten Prozess in einem Film. Für die Jugendlichen ist dies auch eine Chance, ihre Lebenswirklichkeit anderen Generationen zu vermitteln.

In der Workshop-Reihe 2019 „Digital im Hamsterrad“ werden folgende Themen behandelt: soziale Netzwerke, allgemeine Bedienbarkeit und Funktionen von digitalen Medien und Formate temporärer Kommunikation. Auch die filmische Begleitung des Gesamtprojektes zur Ergebnissicherung und -verbreitung wird bearbeitet.

„Die ältere Generation hat Fragen, die sich nicht nur auf die Funktionsweise der Geräte beziehen, sondern auch auf die Mediennutzung der Jugendlichen oder auf Themen wie Datenschutz und Sicherheit im Netz, die von Jüngeren meist nicht so ernst genommen werden.“ Ziel ist es, auf beiden Seiten mehr Verständnis zu schaffen. „Wir hoffen, dass die Älteren besser verstehen, womit sich die Kinder beschäftigen, dass sie die Dinge selbst nutzen können und gleichzeitig mit ihren Fragen die Jugendlichen zur Reflektion anregen.“

Das Ergebnis:

Auch nach Beendigung des Förderzeitraumes als Leuchtturmprojekt werde das Angebot auf Nachfrage durchgeführt, dabei werde sich besonders auf die angezeigten Bedarfe konzentriert. Erkenntnisse aus den offenen Workshops hätten gezeigt, dass eine Darstellung aller Medien innerhalb einer Veranstaltung zeitlich und inhaltlich nicht genügend aufgearbeitet werden könne.

Im Sinne einer gelingenden Partizipation und Anerkennung der Leistungen der Jugendlichen werde das Angebot in Zukunft zunehmend durch diese selber vermarktet und selbstständig durchgeführt. Dabei würden sie Organisieren lernen ebenso wie die Herausforderungen, auf unterschiedlicher Zielgruppen einzugehen. Neben der Anerkennung als Experten ihrer Lebenswelt würden sich die Jugendlichen somit auch sozialisatorisch erproben und Erkenntnisse gewinnen.

Die schönsten Leuchtturm-Erfahrungen:

Silvio Thieme berichtet von einem Treffen zwischen den Jugendlichen und dem Männertreff MGH Bernsdorf: „Es war im Vorfeld nicht abzusehen, wie die Veranstaltung sich entwickeln würde, da sowohl bei den Herren als auch bei den Jugendlichen eine gewisse „Nervosität“ zu spüren war, wie und was die Veranstaltung beinhalten sollte und wie die Gruppen miteinander agieren würden. Mit ihrer guten Vorbereitung und Fachwissen hätten sich die Jugendlichen jedoch schnell den „Respekt“ der älteren Männer erarbeiten können.“ Thieme erinnert sich, dass der Abend etwas ganz besonders gewesen wäre:

„Die Zeitdauer der Veranstaltung war auf eine Stunde angelegt, insgesamt verbrachten die Teilnehmenden aber mehr als drei Stunden miteinander. Mit zunehmender Dauer und Anerkennung der jeweiligen Lebens- und Wissenslagen entwickelte sich aus einer Diskussion ein Dialog, der von beiden Seiten gewünscht, getragen und eingefordert wurde. Es war sehr schön, zu beobachten, dass mit der einfachen Bereitstellung von Zeitfenstern und Räumen, der Wunsch nach Austausch zwischen den Generationen manchmal nicht so schwer ist, wie er in den Vorstellungen scheint. Die Frage der Herren am Ende des Abends an die Jugendlichen: „wann sehen wir uns wieder?“ ist für uns der Ansporn unser Projekt und ähnliche Formate in Zukunft verstärkt zu fördern.“

Das i-Tüpfelchen des Treffens: die Jugendlichen vom Projekt „Digital im Hamsterrad“ 2020 dürfen im zwei Monatsrythmus zu Gast im Männertreff MGH Bernsdorf sein.

Video vom Projektbesuch:

YouTube-Video mit der Koordinator Silvio Thieme vom Mehrgenerationenhaus in Bernsdorf (Träger: RAA Sachsen), der über das Projekt erzählt:

 

Kategorie: Sachsen

Projektverantwortung: Mehrgenerationenhaus Bernsdorf, Träger: RAA Sachsen e.V. = Regionale Arbeitsstellen für Bildung Intergration und Demokratie, Bautzner Straße 45, 01099 Dresden, Silvio Thieme, Telefon-Nr.: 0171-3308324 E-Mail: thieme@raa-sachsen.com

Projektlaufzeit: von 09/2018 bis 08/2019

Wussten Sie schon?

Wie viele Nervenzellen hat das Gehirn? Erwachsene haben über 100 Milliarden Nervenzellen und jede dieser Nervenzellen hat zwischen tausend und zehntausend Verbindungen, sogenannte Synapsen, zu anderen Nervenzellen. Das Gehirn speichert so das Gelernte ab.

Quelle: Fotolia 78707112, fotolia.de | fotomek
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