Die ZWAR Netzwerke von türkischen MigrantInnen

Der Versuch dieses Konzept auf die türkische Bevölkerung zu übertragen, ist seinerzeit nicht gelungen. Daher hat die Kommune Gelsenkirchen einen anderen Zugang gewählt.

In der Kommune Gelsenkirchen werden seit 1997 ZWAR Netzwerke aufgebaut und begleitet. Sie bestehen bis heute in Selbstorganisation. Türkische Migranten leben häufig in Stadtteilen unter sich, bzw. mit anderen Bevölkerungsgruppen und weniger mit deutschen Mitbürger*innen zusammen.

In der muslimischen Gesellschaft lassen sich der westeuropäische Freizeitbegriff und seine praktische Ausprägung oft nicht einordnen. Häufig ist ihre erwerbsfreie Zeit an religiöse und familiäre Aktivitäten gebunden. In der türkischen Gemeinschaft ist jedoch ein Umbruch zu beobachten, da auch hier die Großfamilienstruktur und der meist berufsbedingte Wegzug der Kinder in andere Städte dazu führt, dass mehr und mehr ältere Migranten alleine leben, vereinsamen und auf sich gestellt sind.

Die Stadt Gelsenkirchen beispielsweise konnte mit ihren zwei ZWAR Gruppen für Menschen mit türkischem Migrationshintergrund (gegründet 2013 für den Süden und den Norden von Gelsenkirchen) belegen, dass es gelingt, die soziale Teilhabe und Integration der Teilnehmenden zu stärken. Es zeigt sich, dass durch die identitätsstiftende Beteiligung an der ZWAR Gruppe sowie durch die strukturelle Vernetzung aller 17 ZWAR Gruppen in Gelsenkirchen sich der Kontakt und der Austausch mit den „deutschen“ ZWAR Gruppen zu einer gleichberechtigten Kooperation (z. B. gemeinsame Ausflüge) entwickelte. Insbesondere die wertschätzende und gleichwertige Wahrnehmung führte bei den Teilnehmenden zu mehr Selbstbewusstsein und Interessensvielfalt.

Ein Wortlaut einer Teilnehmerin aus einem türkischen Netzwerk in Gelsenkirchen fasst es gut zusammen „(…) dass ZWAR für uns wirklich eine ganz wichtige Plattform darstellt (…) und unter diesem Dach können wir uns als Teil dieser Gesellschaft auch artikulieren.“ 

Voraussetzungen für die Umsetzung einer muttersprachlichen Gruppengründung

Wichtig sind im Vorfeld einer geplanten muttersprachlichen Gruppengründung die Ansprache und ein persönlicher Besuch der entsprechenden Migrantenorganisationen/Kulturvereine/religiösen Gemeinschaften in der Kommune. Selbstverständlich sollte das von der Kommune verfasste Einladungsschreiben in der Muttersprache der ausgewählten Zielgruppe geschrieben sein. Ebenso muss eine Übersetzung der Auftaktveranstaltung sowie in den jeweiligen Kleingruppen erfolgen. Auch die Gruppenbegleitung sollte Muttersprachler*in sein. In bestimmten Kulturkreisen, insbesondere muslimisch geprägte Kulturen, gehört eine Bewirtung unabdingbar zu einer solchen Veranstaltung dazu. Bei den von der ZWAR Zentralstelle NRW angebotenen Trainingstagen muss eine Übersetzung sichergestellt sein. Zum Gelingen der Integration des muttersprachlichen Netzwerkes gehört unverzichtbar die Vernetzung dieses mit den anderen ZWAR Gruppen auf kommunaler Ebene.

Zusammengefasst:

  • Persönliche Besuche der Migrantenorganisationen
  • Muttersprachliches Einladungsschreiben
  • Übersetzung der gesamten Auftaktveranstaltung
  • Individuelle Bewirtung
  • Muttersprachliche Netzwerkbegleitung
  • Qualifizierungsangebot der ZWAR Zentralstelle NRW einschließlich Übersetzung in die Muttersprache
  • Vernetzung der gesamten ZWAR Gruppen auf kommunaler Ebene

Die ZWAR Netzwerke NRW

Die Abkürzung „ZWAR“ steht für „Zwischen Arbeit und Ruhestand“.  Die  ZWAR Zentralstelle NRW in Dortmund unterstützt Kommunen darin, eine Infrastruktur für selbstorganisierte ZWAR Netzwerke vor Ort aufzubauen, um damit Teilhabe, Mitgestaltung und bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen zu ermöglichen.

ZWAR-Faktoren die ansprechen

  • Selbstbestimmte Organisationsform, keine formale wie zum Beispiel in Vereinen
  • Offene und selbstbestimmte Strukturen der Vernetzung
  • Temporäres Engagement
  • Weltanschaulich unabhängiges Engagement 
  • Persönliche Wahl der Inhalte und Aktivitäten
  • Persönliches Wachstum durch Mitbestimmung und Qualifizierung
  • Gewährleistung der kontinuierlichen Unterstützung durch die ZWAR Zentralstelle NRW
  • Förderung von Kontakten durch kommunale, regionale und NRW-weite Vernetzung

Weitere Informationen:

Kontakt:

ZWAR Zentralstelle NRW
1. Vorsitzender des ZWAR e.V. Guntram Schneider
Steinhammerstr.3
44379 Dortmund

Telefon: 0231 / 96 13 17  -0
Telefax: 0231 / 96 13 17  -50

info@zwar.org
www.zwar.org

Kategorie: Zwischen Arbeit und Ruhestand

Projektverantwortung: Die ZWAR Netzwerke NRW

Leuchtturmprojekte

Hier finden Sie mehr Infos zu den geförderten Leuchtturmprojekten.

Übersicht der geförderten Projekte

Wussten Sie?

Informelles Lernen. Darunter versteht man das Lernen außerhalb formaler Lernzusammenhänge wie Schule oder Berufsausbildung. Informelles Lernen ergibt sich zumeist automatisch als Folge des täglichen Lebens.