Digitale Teilhabe für Seniorinnen und Senioren in der EVG

Über das Projekt:

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Der Impuls zu diesem Projekt kam aus der Mitgliedschaft der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Es bestand die Befürchtung, im Ruhestand von den Fortschritten der digitalen Welt abgehängt zu werden. Das Projekt „Digitale Teilhabe für Seniorinnen und Senioren in der EVG“ richtet sich insbesondere an diejenigen, die in ihrem Berufsleben nichts mit Informationstechnik zu tun hatten, wie z. B. Gleisbauer.

Das lief im Projekt:

Die Gewerkschaft entschied sich für ein zweistufiges Modell: Sie schult ältere Mitglieder aus den einzelnen Landesverbänden, damit diese ihre Kenntnisse dann in der jeweiligen Region weitergeben können. Inzwischen ist die erste Schulung erfolgreich beendet – 13 Trainerinnen und Trainer sind für ihre Arbeit vor Ort gerüstet. Neben technischem Wissen standen Präsentations- und Moderationstechniken sowie Tipps für die Organisation von Veranstaltungen auf dem Programm. Sie erhalten von der Gewerkschaft logistische Unterstützung, arbeiten aber ehrenamtlich. Die 13 Seminarleitungen sollten dann vor Ort etwa zehn Workshops mit lokalen Partnern anbieten, die die unterschiedlichen Lebensbereiche umfassen (z.B. Onlinebanking, Online-Kommunikation, etc.), wobei auf die Wünsche der Teilnehmenden vor Ort eingegangen werden sollte.

Die EVG ist die bislang einzige Gewerkschaft, die ihre älteren Mitglieder beim Umgang mit digitalen Medien unterstützt. Sie könnte damit ein Vorbild für andere Gewerkschaften im DGB sein.

Das Ergebnis:

„Nach unserer Erfahrung ist es hilfreich, wenn ältere Kolleginnen und Kollegen sich das gegenseitig beibringen – in ihren eigenen Worten und auf Augenhöhe“, sagt Tanja Trost, die in der EVG für Seniorinnen und Senioren zuständig ist. „Wir wussten nicht, ob das funktioniert, aber das Projekt ist ein Renner. Es gibt schon viele Anmeldungen für die nächste Schulung. Und in unserer Gewerkschaft ist es sehr gut angesehen, weil es den Zusammenhalt fördert und das Bewusstsein dafür, dass niemand abgehängt wird.“

Innerhalb der Schulungen der Seminarleitungen hätte sich bereits im Laufe des ersten Moduls gezeigt, dass der Kenntnisstand sehr heterogen war. Das Seminarprogramm wäre daher an der Person mit dem niedrigsten Kenntnisstand und der geringsten Technikausstattung ausgerichtet worden.

Auch der biografische Hintergrund der Teilnehmenden in den Schulungen hätte sich als interessanter Faktor herausgestellt. „So kamen die weiblichen Teilnehmerinnen alle aus Ostdeutschland und begannen ihre berufliche Laufbahn in der ehemaligen DDR. Die westdeutschen Teilnehmenden hingegen kannten in ihrer näheren Umgebung keine ehemals berufstätigen Frauen, die sich für digitale Themen interessieren würden. Im Laufe der Schulungsreihe wurde dann aus einem „Ihr im Westen/ Ihr im Osten“ zunehmend mehr ein „Wir“, was sich positiv auf die Gruppendynamik auswirkte“, berichtet der EVG.

Die Veranstaltungen vor Ort, die von der frisch geschulten Seminarleitung durchgeführt wurde, hätten gezeigt, dass die Programme und Inhalte stark variiert hätten. Der Grund dafür sei die offene Gestaltung der Kurse, die sich stark nach den Wünschen der Älteren gerichtet hätte, die bei den Inhalten selbst mitreden durften. „Teilweise war das Interesse an einzelnen Themen so groß, dass es verschiedene Termine vor Ort gab, sodass alle Anfragen erfüllt werden konnten“, erklärt der EVG.

In einem Artikel in der EVG Mitgliederzeitschrift Imtakt und auf der Homepage der EVG - externer Link Öffnet den Link in einem neuem Fenster wird über das erste Modul der Seminarreihe Digitale Teilhabe berichtet. Der EVG fasst zusammen, dass es bisher darauf ausschließlich positive Resonanz gegeben hätte.

Im Oktober 2019 sei entschieden worden, dass das Projekt ins Dauerprogramm im Rahmen der Bildungsveranstaltungen aufgenommen werde. So könne ein zweiter Jahrgang an Seminarleitungen ausgebildet werden. Ein Austauschtreffen zwischen Initiatoren und den Jahrgängen sei schon im Gange.

Die schönsten Leuchtturm-Erfahrungen:

Der EVG berichtet von zwei Erlebnissen, die besonders im Kopf geblieben wären:

„Es gab eine Teilnehmerin als Seminarleiterin, die beim ersten Schulungstermin ohne PC-Vorkenntnisse ihren neuen Laptop das erste Mal anschaltete und buchstäblich ohne jegliche Erfahrungen startete. Die Gruppe hat sie dabei fantastisch aufgefangen und auf kollegiale Weise das Betriebssystem installiert, die ersten Programme aufgespielt und ihr dabei jeden Schritt ausgiebig und geduldig erklärt. Beim dritten Schulungsmodul hat sie dann per Videotelefonie mit der Seminarleitung gesprochen und war den Tränen nahe. Dieses Voranschreiten trotz des bereits hohen Alters der Teilnehmerin, hat allen anderen großen Mut gemacht und den Sinn der Aktivitäten nachhaltig verdeutlicht.“

Der EVG erinnert sich aber auch an die Dankbarkeit der Teilnehmenden der Veranstaltungen vor Ort, „die in ihren Augen „endlich“ einen Zugang zu digitalen Anwendungen, wie z.B. Onlinebanking gefunden haben, was seitdem ihr Leben erleichtert. Diese kleinen „Stellschrauben“ haben enormen Einfluss auf die Lebensqualität dieser Kolleginnen und Kollegen und zeigte ihnen einmal mehr, dass Gewerkschaft mehr ist als Tarifverhandlungen, nämlich eine Solidargemeinschaft, in der einer dem anderen hilft“.

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Projektverantwortung: Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Durchführung des Projekts: EVA gGmbH, Köln und Berlin, Reinhardtstraße 23, 10117 Berlin, Tanja Trost, Telefon-Nr.: 030–42439028, E-Mail: tanja.trost@evg-online.org

Projektlaufzeit: von 09/2018 bis 08/2019

Wussten Sie schon?

Wie viele Nervenzellen hat das Gehirn? Erwachsene haben über 100 Milliarden Nervenzellen und jede dieser Nervenzellen hat zwischen tausend und zehntausend Verbindungen, sogenannte Synapsen, zu anderen Nervenzellen. Das Gehirn speichert so das Gelernte ab.

Quelle: Fotolia 78707112, fotolia.de | fotomek
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