Im Alltag digital unterwegs

Über das Projekt:

Logo des Vereins Vielfalt für Bürger e.V.,
© Logo Vielfalt für Bürger e.V.

Der Verein Vielfalt für Bürger aus Neukirchen unterstützt ehrenamtliche Initiativen, vor allem im Bereich der Seniorenselbsthilfe. Obwohl Neukirchen sehr abgelegen ist, besuchen pro Jahr etwa 3.000 Menschen aus der gesamten Region die Begegnungsstätte des Vereins. Ein Thema, das die Menschen bewegt, ist die Digitalisierung: „Die ältere Generation ist sehr stark an Bildung interessiert, die wollen nicht abgehängt werden und wollen mitreden können.“

Der Verein startete deshalb das Projekt „Im Alltag digital unterwegs“. Es richtet sich an Menschen über 50, die an fünf Terminen in kleinen Gruppen in die Nutzung von Smartphone und Tablet eingeführt werden. Zum weiteren offenen Austausch bietet der Verein einen Stammtisch an, für Einzelberatung ein Internetcafé. Im Mittelpunkt steht dabei der konkrete Nutzen der Technik, wie z. B. Online-Einkäufe zu tätigen oder Transaktionen vorzunehmen.

Das lief im Projekt:

Teilnehmer in der Sprechstunde für die Nutzung von Smartphones und Tablets.
© Vielfalt für Bürger e.V.

Im Projektzeitraum wurde versucht, zwei Formate zur Vermittlung digitaler Kompetenzen längerfristig zu verankern. Das waren der digitale Stammtisch und das Internetcafè als Einzelkonsultation. Durchgeführt wurden die Veranstaltungen von Ehrenamtlichen, die ihr Wissen immer auf den neusten Stand bringen. Beim digitalen Stammtisch werden erste Schritte zur Anwendung digitaler Medien erörtert. Über einen Fragebogen werden Informationen der Teilnehmenden über die vorhandenen Geräte, den Kenntnisstand und die Erwartungshaltung im Vorhinein abgefragt. In Gruppen bis zu 5 Seniorinnen und Senioren werden neben praktischen Übungen auch Einstellungen, Datenschutz, Passwortfindung und -organisation oder Fairness im Netz behandelt.

Mit Beamer, Monitor und Flipchart werden die unterschiedlichsten Ausgangspositionen allgemein verständlich gemacht. Die wichtigsten Punkte sind in einer Broschüre zusammengefasst. Sind die ersten digitalen Unklarheiten nach fünf Sprechstunden beseitigt, können die Teilnehmenden den Stammtisch für digitale Welt besuchen. Dort können sie sich weiterhin austauschen. Eine Internetseite weist auf das Angebot und die regelmäßigen Sprechstunden und Stammtische hin. Außerdem informieren Aushängen über das Angebot.

„Es geht vor allem um praktische Informationen, die man sonst hier im ländlichen Raum nie erfahren würde. Wir haben hier im Ort zum Beispiel keinen Bahnhof. Man muss also schauen, wann fährt der Zug von wo ab und wie komme ich dort hin? Wann ist irgendeine Veranstaltung? Wann hat der Arzt Sprechzeiten? Das sind die Dinge, um die es vor allem geht.“ – Heidi Fengler-Kuna vom Verein Vielfalt für Bürger

Im Format Internetcafé erhielten die Teilnehmenden die Möglichkeit in einer 1-zu-1-Betreuung bis zu zwei Stunden ihre Probleme mit den digitalen Medien anzusprechen.

Das Ergebnis:

Bei einem differenzierten Wissenstand über die Technik und einer unterschiedlichen Erwartungshaltung der Teilnehmenden hätte sich die Stammtisch-Methode in kleinen Gruppen mit maximal 5 Personen als hilfreich erwiesen. Die Wissensstandabfrage hätte bei der Strukturierung der monatlich stattfindenden Stammtische sehr geholfen. Inzwischen würden diese Veranstaltungen unter dem Namen Silber-User weiterlaufen.

Fengler-Kuna stellt einen entscheidenden Vorteil des Vereins gegenüber anderen Bildungsanbietern fest: „Die Leute besuchen uns sehr gerne, weil wir uns ein bisschen von der Volkshochschule unterscheiden. Bei uns kann man spontan vorbeikommen und muss sich nicht für zehn Wochen festlegen. Aber das geht natürlich nur im ehrenamtlichen Bereich.“

Bei der Einzelbetreuung im Internetcafé wäre eine sehr vertraute Atmosphäre entstanden, da oft private Themen besprochen wurden. Das Internetcafè finde ebenfalls über den Projektzeitraum hinaus allerdings nur für „Stammkunden“ statt. „Dieses Ehrenamt wird von einer Person geleistet, die sich in ganz verschiedenen Aktionen bereits gesellschaftlich engagiert und gern jemanden einarbeiten würde. Es ist allerdings sehr schwierig geeignete Ehrenamtliche zu finden“, berichtet Fengler-Kuna.

Insgesamt wären im 12-Monatszeitraum 160 Teilnehmende in 52 digitalen Veranstaltungen betreut worden. Die finanzielle Förderung des Projekts hätte sehr dabei geholfen, neue Formate zur digitalen Bildung älterer Menschen anzuschieben. Fengler-Kuna erklärt jedoch, dass die erfolgreiche und längerfristige Durchführung dieser Kurse auch von der Qualifikation, Bildung und dem Intellekt der Kursleiter abhängig sei. Mit dem Ende des Projektes fielen auch wichtige professionelle Hilfen und Dienstleistungen weg. Mit einem sehr eingeschränktem Budget sei es eine große Herausforderung, Berichte und Anfragen nachträglich zu beantworten.

Die schönsten Leuchtturm-Erfahrungen:

Die große Dankbarkeit der Teilnehmenden würden laut Fengler-Kuna zu den schönsten Erfahrungen zählen. Weiter berichtet sie: „Viele neu geknüpfte Kontakte entstanden, die auch gegen die Einsamkeit im Alter vorbeugen können. Natürlich hat auch unsere Begegnungsstätte an Bekanntheit gewonnen. Gleichzeitig zeigte sich über Neukirchen hinaus ein großer Wissensdurst bei der Ü60-Generation. Längst hat sich unser Angebot in der Region des Landkreises Zwickau herumgesprochen, sodass sogar die VHS Zwickau in unserer Begegnungsstätte Kurse zur Anwendung digitaler Medien anbietet.“

Video vom Projektbesuch: 

YouTube-Video mit Heidi Fengler-Kuna vom Vorstand und Robert Jung, dem ehrenamtlichen Projektmitarbeiter vom Vielfalt für Bürger e.V., Neukirchen/Pleiße, die über das Projekt erzählen:

 

Kategorie: Sachsen

Projektverantwortung: Vielfalt für Bürger e.V., Neukirchen, Am Grünen Tal 1, 08428 Langenbernsdorf, Heidi Fengler-Kuna, Telefon-Nr.: 03761-1854980, E-Mail: h.fengler-kuna@vfb-neukirchen.de

Projektlaufzeit: von 09/2018 bis 08/2019

Wussten Sie schon?

Wie viele Nervenzellen hat das Gehirn? Erwachsene haben über 100 Milliarden Nervenzellen und jede dieser Nervenzellen hat zwischen tausend und zehntausend Verbindungen, sogenannte Synapsen, zu anderen Nervenzellen. Das Gehirn speichert so das Gelernte ab.

Quelle: Fotolia 78707112, fotolia.de | fotomek
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