Wir sind dann mal online

Über das Projekt:

Der offene Treff im Café Henry des Mehrgenerationenhauses des Deutschen Roten Kreuzes in der westfälischen Stadt Lünen ist auch ein Ort zum Lernen. Unter dem Motto „Wir sind dann mal online“ können sich Seniorinnen und Senioren dort in entspannter Atmosphäre mit dem Smartphone oder dem Tablet vertraut machen.

In Abstimmung mit dem Seniorenbeirat der Stadt Lünen und einzelnen Quartiersverantwortlichen wurde ein an die Bedürfnisse von älteren Menschen angepasstes, modular aufgebautes Kursangebot entwickelt. Das Angebot dient zum einen der Wissensvermittlung und zum anderen zum Aufbau eines Netzwerkes zwischen den Generationen.

Das lief im Projekt:

Zwei Kursteilnehmerinnen schauen auf ihre Smartphones. Eine Internetpatin steht hinter ihnen.
© Foto: Mehrgenerationenhaus des DRK Lünen

Zunächst wurde im Café Henry WLAN zugänglich gemacht. Es wurde eine Dozentin eingestellt, die bereits über reichlich Erfahrung im Bereich der digitalen Bildung für ältere Menschen verfügte. In enger Abstimmung mit der Dozentin wurde der modulare Kursplan modifiziert, im Mehrgenerationenhaus vorgestellt und das Projekt lokal bekannt gemacht.

Die Kurse umfassen jeweils zehn Termine, die wöchentlich stattfinden. Die Dozentin wird dabei von den sogenannten jungen Internetpaten unterstützt, die den älteren Menschen beim Üben helfen. Die Internetpaten sind Schülerinnen und Schülern des benachbarten Lippe Berufskolleg. Eine eingehende Befragung und Beratung der älteren Menschen im Vorfeld des Kurses ermöglicht das Einrichten homogener Gruppen, die das Lernen „unter sich“, in wohlwollender und angstfreier Atmosphäre garantieren.

„Wir bieten Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene und befragen die Interessierten vor Beginn ausführlich zu ihren Vorkenntnissen, um wirklich allen gerecht werden zu können,“ erzählt Meike Terbeck, die Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses.

Neben den Kursen wurde auf Wunsch der Kursteilnehmenden ein Internet-Café für Seniorinnen und Senioren im Café Henry eingerichtet. Hier gibt es alle zwei Wochen Gelegenheit, Fragen rund um das Internet zu klären und sich mit anderen auszutauschen.

Das Ergebnis:

„Die Anfänger haben am Ende WhatsApp genutzt, um sich zu gemeinsamen Marktbesuchen zu verabreden. Sie haben Internetseiten mit Kochrezepten und Portale wie feierabend.de entdeckt und sind gemeinsam in einen Drogeriemarkt gegangen, um Fotos auszudrucken, die sie mit dem Smartphone aufgenommen hatten. Ist die Scheu erstmal überwunden und stellen sich erste Erfolge ein, rückt der Nutzen der digitalen Medien in den Vordergrund und die anfängliche Scheu weicht der Freude beim Bedienen des Gerätes“, berichten die Projektverantwortlichen.

Das Fazit der Koordinatorin lautet: „Die Smartphone-Kurse sind das Beste, was wir in den letzten Jahren angeboten haben!“

Mit den Smartphonekursen wären über 80 Personen zwischen Mitte 50 und Ende 80 Jahren erreicht worden. Die Nachfrage nach den Kursen bleibe stabil. Regelmäßig würden neue Anfänger- und Fortgeschrittenenkurse starten. Auch weitere Schulen hätten bereits signalisiert, dass sie sich an diesem intergenerationellen Projekt beteiligen möchten.

Die schönsten Leuchtturm-Erfahrungen:

Eine schöne Entwicklung des Projekts sei, dass sich eine „Quartiersgruppe“ gebildet hätte, über die gemeinsame Aktivitäten wie Marktbesuche oder Fahrgemeinschaften geplant werden.

Neben der rein technischen Wissensvermittlung würden die Teilnehmenden mit den Internetpaten mittlerweile auch an inhaltlichen Themen arbeiten, die über das Internet recherchiert werden können. Eines dieser Themen sei beispielsweise die Auseinandersetzung mit dem Thema „Schule – damals und heute“ gewesen. Ungeahnte Erfolge wie diese seien besonders beeindruckend.

Damit, dass Ältere mit Freude Smartphones bedienen, sei genau das erreicht worden, was das Projekt abzielen wollte. Die Lernerfolge bei den Teilnehmenden würden zu der Möglichkeit an gesellschaftlicher Teilhabe führen – diese Momente seien die besten Erfahrungen.

Kategorie: Nordrhein-Westfalen

Projektverantwortung: Mehrgenerationenhaus, DRK Lünen, Spormeckerplatz 1a 44532 Lünen, Meike Terbeck, Telefon-Nr.: 02306-30611260, E-Mail: meike.terbeck@drk-luenen.de

Projektlaufzeit: von 09/2018 bis 08/2019

Wussten Sie schon?

Wie viele Nervenzellen hat das Gehirn? Erwachsene haben über 100 Milliarden Nervenzellen und jede dieser Nervenzellen hat zwischen tausend und zehntausend Verbindungen, sogenannte Synapsen, zu anderen Nervenzellen. Das Gehirn speichert so das Gelernte ab.

Quelle: Fotolia 78707112, fotolia.de | fotomek
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