Betreuung mal anders. Technik unterstützt Integration

Über das Projekt:

© Johanniter-Haus Heilbronn

Das Johanniter-Haus Heilbronn ist eine interkulturelle Einrichtung mit Bewohnerinnen und Bewohner und Mitarbeitenden mit vielen verschiedenen Nationalitäten. Aufgrund der kulturellen Vielfalt der Betreuten und Mitarbeitenden entstand die Idee, die bis dahin fast ausschließlich mitarbeiterabhängige muttersprachliche Kommunikation auf eine solide Grundbasis für alle zu stellen. Dafür wurde das bereits in der Einrichtung vorhandene Tablet Media Dementia, das auf die Betreuung demenzkranker Menschen ausgerichtet ist, für die Betreuung von Bewohnerinnen und Bewohnern mit Migrationshintergrund umprogrammiert.

Das lief im Projekt:

Foto von der Arbeit im Priojekt Johanniter Haus in Heilbronn, wo Tablets eingesetzt werden.
© Johanniter-Haus Heilbronn

Im Zuge des Projekts Betreuung mal anders – Technik unterstützt Integration wurden einige Inhalte des Tablets in verschiedene Sprachen wie Russisch, Polnisch, Griechisch oder Türkisch übersetzt. Angestellte aus allen Bereichen des Hauses haben sich beteiligt und Lieder oder Märchen in verschiedenen Sprachen aufgenommen.

Von Montag bis Mittwoch kam Jürgen Herr, ein ehemaliger Mitarbeiter im Johanniter-Haus Heilbronn, in die Einrichtung und hat in dieser Zeit tabletbasiert mit den Bewohnern überwiegend Einzel- aber auch Gruppenaktivitäten durchgeführt.

Für jede Person lässt sich ein Profil anlegen, das Reaktionen und Vorlieben erfasst, an die beim nächsten Besuch angeknüpft werden kann. Das Tablet kann für die jeweiligen Bedürfnisse von Einrichtungen und Nutzen erweitert werden.

Das Ergebnis:

„Das Tablet bietet mannigfaltige Möglichkeiten – es gibt Filme, Bilder, Texte, Spiele, Rätsel, Themen und vieles mehr“, erzählt Jürgen Herr. „Ich gehe meistens spielerisch vor und rufe zum Beispiel das Bild einer Kirsche auf. Über die Farbe Rot kommt man dann auf Liebe zu sprechen, den Mann, den Enkel usw.“

Foto von der Arbeit im Priojekt Johanniter Haus in Heilbronn: Ein Betreuer zeigt einem Bewohner die Möglichkeiten des Tablets,
© Johanniter-Haus Heilbronn

Auch die Betreuungsassistentin Alexandra Lesniewski ist begeistert von dem Tablet. „Das ist wirklich eine ganz tolle Erfindung. Bevor wir es 2015 bekamen, habe ich viel mit Präsentationen gearbeitet, aber es hat mich viel Zeit gekostet, das ganze Material zu Hause zusammenzustellen. Jetzt gibt es auf dem Tablet zum Beispiel Rotkäppchen auf Polnisch. Und wenn eine polnischsprachige Person das hört, dann ist sie nicht so einsam, sondern hat ein bisschen Halt in ihrer Muttersprache.“

Die interkulturelle und fremdsprachliche Komponente sei von großem Vorteil. Mit der Speicherung der Komponenten (u.a. Lieder, Texte, Bilder, Videos) im erstellten Einzelprofil gebe es die Möglichkeit, auch auf das Herkunftsland des Bewohners einzugehen.

Das Tablet wurde über das Johanniter-Haus hinaus im Stadt- und Landkreis Heilbronn bekannt. Dies hätte bewirkt, dass auf Anfrage der Diakonie und des Landratsamtes Heilbronn mehrere Präsentationen stattgefunden hätten. Verschiedene Institutionen würden nun auch erwägen das Tablet in ihren Bereichen einzusetzen.

Die schönsten Leuchtturm-Erfahrungen:

Herr Herr berichtet: „Im November 2019 fand in der Stadthalle in Bonn-Bad Godesberg eine Fachtagung zum Thema Gemeinsam lernen – analog und digital statt. Die Servicestelle Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen stellte die Leuchtturmprojekte vor. Unsere Einrichtung wurde bei der Veranstaltung mit seinem Projekt Betreuung mal anders – Technik unterstützt Integration von Frau Alexandra Lesniewski und mir repräsentiert. Mit einer Präsentation wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Fachtagung gezeigt, wie sich die Leuchttürmer ein Jahr lang für die Realisierung ihrer Projekte engagiert haben. Die Urkunden wurden von Herrn Franz Müntefering, dem Vorsitzenden der BAGSO übergeben. 160 Besucherinnen und Besucher nahmen an der Tagung teil.“

Kategorie: Baden-Württemberg

Projektverantwortung: Johanniter-Haus Heilbronn, Mozartstraße 21, 74072 Heilbronn, Beate Tsiaousidis-Gertling, Telefon-Nr.: 07131-99880, E-Mail: beate.tsiaousidis-gertling@jose.johanniter.de

Projektlaufzeit: seit 01/2015

Wussten Sie schon?

Wie viele Nervenzellen hat das Gehirn? Erwachsene haben über 100 Milliarden Nervenzellen und jede dieser Nervenzellen hat zwischen tausend und zehntausend Verbindungen, sogenannte Synapsen, zu anderen Nervenzellen. Das Gehirn speichert so das Gelernte ab.

Quelle: Fotolia 78707112, fotolia.de | fotomek
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